Erdwärmenetze auch bei uns?

7. Juli 2026 0 Von Klimabuendnis

Das Klimabündnis informierte über ein Projekt in Bremen

Im Herbst sollen die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung vorgestellt werden. Es wird gezeigt werden, welche Viertel für eine gemeinsame Wärmeversorgung geeignet sind und in welchen weiterhin individuelle Lösungen am besten sind. Die Luft-Wasser Wärmepumpe gilt dort in den meisten Fällen als geeignete Lösung, um von den fossilen Brennstoffen weg zu kommen.

Wenn die Häuser sehr eng stehen und kein Platz für Wärmepumpen vor den Häusern ist, sind andere Lösungen gefragt.

Philipp Metz aus Bremen referierte kürzlich in einer Onlineveranstaltung des Klimabündnis Bergstraße über die Wärmeversorgung mit kalter Nahwärme.

Genossenschaftliche Bewegung in Bremen

In Bremen gibt es eine breite Bewegung, die diese Art der Wärmeversorgung vorantreibt. Es gibt schon 1 600 Interessierte aus 40 Quartieren. Die „Genossenschaft ErdwärmeDich e.g.“ hat bereits 450 Mitglieder und betreibt die Planungen, ließ Machbarkeitsstudien erstellen und beginnt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Herbst mit dem Bau eines Pilotprojektes. Es geht dabei um Quartiere, die so eng bebaut sind, dass für individuelle Wärmepumpen kein Platz ist.

Wie funktioniert ein Erdwärmenetz?

Die Bohrungen reichen bis in eine Tiefe von 300 m. Das Verteilnetz wird in ca. 80 cm Tiefe unter den Bürgersteigen verlegt. Das Netz besteht aus ungedämmten Polyethylenrohren, wie sie millionenfach für Wasserleitungen benutzt werden. Zu den Häusern gibt es Abzweigungen. In diesem Netz fließt etwa 15 Grad kaltes Wasser, somit entsteht kein Wärmeverlust. In den einzelnen Häusern gibt es Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die Wasser bis zur gewünschten Temperatur erwärmen. Danach fließt das Wasser, dem Wärme entzogen wurde, in das nächste Bohrloch, wo es wieder etwas erwärmt wird. Es ist ein geschlossenes System, also es findet kein Austausch mit Grundwasser statt. Es ist ein passives System, also die Bewegung erfolgt hydraulisch, nur angetrieben durch die Wärmepumpen in den einzelnen Häusern. Es gibt keine spezielle Wärmeabrechnung. Der Nutzer zahlt eine feste Nutzungsgebühr, die sich nach der Stärke der jeweiligen Wärmepumpe im Haus richtet. Den Strom für die Wärmepumpe zahlt der Nutzer selbst. Bei Hitze im Sommer kann mit diesem System auch moderat um 4-5 Grad gekühlt werden.

Da das System von einer Genossenschaft gebaut und betrieben wird, in der die Nutzer Mitglieder sind, ist die Kostenstruktur vollkommen transparent. Die Genossenschaft muss keine Gewinne anstreben, sondern arbeitet kostendeckend. Damit auch ältere Nutzer, denen die Bank keinen Kredit mehr gibt, mitmachen können, übernimmt die Genossenschaft nicht nur das Netz, sondern auch die Hausanschlüsse und die Wärmepumpen im Haus. Die Nutzer zahlen nur eine feststehende Gebühr.

Das Pilotprojekt

Nach vielen Vorarbeiten, Machbarkeitsstudien und Probebohrungen wird im September dieses Jahres endgültig über den Baubeginn für das Pilotprojekt entschieden. Bei einer positiven Entscheidung wird im Herbst mit dem Bau begonnen.

Im Quartier des Pilotprojekts befinden sich 96 Häuser. Der Anschluss an das Netz ist freiwillig. 37 Häuser wollen zurzeit mitmachen.

Viel Überzeugungsarbeit war nötig, damit die Genossenschaft die Erlaubnis bekam, auf öffentlichem Grund zu bohren und Leitungen zu legen. Ausschlaggebend war, dass es keine fossilfreien Alternativen mit individuellen Wärmepumpen gab und auch, dass die kleinen Straßen für die üblichen warmen Fernwärmenetze nicht so attraktiv waren.

Finanzierung

Es gibt vom Bund eine Bundesförderung für effektive Wärmenetze (BEW), worüber die Genossenschaft 40% Risikokapital erhält. Das restliche Kapital wird durch die Genossenschaftsmitglieder, Spenden und Bankkredite finanziert.

Wenn das Pilotprojektgut erfolgreich läuft, wird es in Zukunft leichter sein, günstige Bankkredite für weitere Projekte zu erhalten.

Den hochinteressanten Vortrag nachhören

Philipp Metz aus Bremen erzählte mit großer Begeisterung, wie ihre Planungen auch das soziale Klima in den einzelnen Stadtvierteln verbesserten. Sie trafen auf viele Interessierte, die an einem kalten Nahwärmenetz teilhaben möchten. Eine Chance für bürgerschaftliches Engagement!

Der hochinteressante Vortrag wurde aufgezeichnet und ist demnächst auf dieser Webseite zu finden.