Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern sind gut umsetzbar

28. April 2026 0 Von Klimabuendnis

Dr. Sebastian Valouch berichtete bei einer Online-Veranstaltung des Klimabündnis Bergstraße

Um die Besonderheiten bei der Heizungsumstellung auf Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern ging es bei einer Veranstaltung des Klimabündnis Bergstraße.

Die Versorgung von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpen ist heute in vielen Fällen gut umsetzbar und wird bereits in zahlreichen Projekten erfolgreich realisiert. Sie erfordert jedoch eine strukturierte Planung und Abstimmung, die über die Anforderungen im Einfamilienhaus hinausgeht.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der größeren Zahl an Beteiligten. Während im selbstgenutzten Einfamilienhaus Eigentümer und Nutzer identisch sind, treffen im Mehrfamilienhaus unterschiedliche Interessen aufeinander – etwa zwischen Vermietern, Mietenden oder innerhalb einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG).  Diese müssen in Planung und Umsetzung berücksichtigt werden. Auch die technische Auslegung der Anlage ist komplexer.

Durch die größere Gebäudestruktur mit mehreren Stockwerken muss sichergestellt werden, dass alle Räume ausreichend beheizt werden. Dabei entstehen unterschiedliche Wärmeverluste: Räume im obersten Stockwerk verlieren mehr Wärme nach außen, während mittlere Etagen von beheizten Räumen umgeben sind. Die Auslegung orientiert sich daher an den ungünstigsten Räumen („schwächstes Glied“). Maßnahmen wie der gezielte Austausch einzelner zu kleiner Heizkörper oder punktuelle Dämmmaßnahmen können helfen, ein einheitliches Temperaturniveau zu erreichen. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass in vielen Bestandsgebäuden vorhandene Heizkörper bereits ausreichend dimensioniert sind und ein vollständiger Austausch in der Regel nicht erforderlich ist.

Für einen effizienten Betrieb ist eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur entscheidend. Jede Erhöhung verschlechtert die Effizienz der Wärmepumpe. Deshalb kommt der Anpassung der Heizflächen und der Gebäudehülle eine wichtige Rolle zu.

Eine besondere Herausforderung stellt die Warmwasserversorgung dar. Hier sind höhere Temperaturen erforderlich als für die Raumheizung, und bei zentralen Systemen entstehen zusätzliche Verluste durch Speicherung und Zirkulation. Dezentrale elektrische Durchlauferhitzer können diese Verteil- und Zirkulationsverluste vermeiden und dadurch energetische Vorteile haben. Da sie Warmwasser jedoch direkt elektrisch erzeugen, muss ihre Wirtschaftlichkeit im Einzelfall geprüft werden – insbesondere im Vergleich zu zentralen Wärmepumpensystemen.

Auch der Aufstellort der Wärmepumpe sollte frühzeitig abgestimmt werden. Die Schallentwicklung hängt stark vom Gerät, der Betriebsweise und den örtlichen Gegebenheiten ab. Eine sorgfältige Platzierung hilft, Beeinträchtigungen für Anwohnende zu vermeiden. Neben akustischen Aspekten spielen auch optische Gesichtspunkte eine Rolle.

Dr. Sebastian Valouch betonte zudem die Bedeutung einer sorgfältigen Dimensionierung. Eine überdimensionierte Anlage kann zu häufigem Takten führen – also zu einem vermehrten Ein- und Ausschalten des Kompressors – was sich negativ auf Effizienz und Lebensdauer auswirken kann.

Auch das Nutzerverhalten beeinflusst die Effizienz. Wärmepumpen arbeiten am besten bei gleichmäßigem Betrieb mit möglichst konstanten Temperaturen. Starke Temperaturabsenkungen oder häufiges Nachregeln sind weniger geeignet. Stattdessen sollte die Heizkurve sinnvoll eingestellt und die Wärmeabgabe möglichst gleichmäßig erfolgen. Die Präsentation von Dr. Valouch wurde aufgezeichnet und kann (bald) eingesehen werden unter: https://www.eng4f.de/